DR. JENS HINDER ÜBER WORLDTOUR-PERFORMANCE & REGENERATION

DR. JENS HINDER ON WORLDTOUR PERFORMANCE & RECOVERY

Foto: Lidl–Trek

Von Unbroken | Interview mit Dr. Jens Hinder, Teamarzt bei Lidl–Trek

Auf dem höchsten Niveau des professionellen Radsports wird Erfolg nicht mehr allein durch Talent definiert. Moderne WorldTour-Performance basiert auf einem System – Trainingskontinuität, Regenerationsstrategie, Ernährung, Schlaf, mentale Bereitschaft und medizinische Betreuung greifen über einen intensiven und kompromisslosen Rennkalender hinweg ineinander.

Nur wenige verstehen dieses System besser als Dr. Jens Hinder, Teamarzt bei Lidl–Trek. Mit einem Hintergrund in klinischer Medizin und Sportmedizin ist Dr. Hinder seit der Teamgründung 2011 Teil der Mannschaft und arbeitet weiterhin direkt mit den Fahrern als Rennarzt. Seine Rolle umfasst die gesamte medizinische Struktur des Teams – vom Schutz der Fahrergesundheit über die Unterstützung der Leistungsanforderungen bis hin zur Sicherstellung medizinischer Betreuung auf Weltklasse-Niveau während der gesamten Saison.

In diesem Interview spricht Dr. Hinder darüber, was sich im Elite-Radsport in den letzten zehn Jahren verändert hat, wie Teams Belastung und Gesundheit über eine lange Saison steuern und wie Regenerationslösungen wie Unbroken in ein ganzheitliches Performance-System passen.

„Du darfst nicht das Problem sein.“ Die Realität der Grand Tours

Die größte Bühne des Radsports – die Grand Tours – erfordert eine Konstanz, die nur wenige Sportarten kennen. Fahrer müssen jeden Tag Leistung bringen, unabhängig von Müdigkeit oder Widrigkeiten.

Eine Grand Tour bedeutet vier Wochen zusammen,“ erklärt Dr. Hinder. „Und wenn man vier Wochen als Team zusammen ist, entstehen manchmal Probleme. Daran muss man arbeiten – um ein Team zu sein und über all diese Tage hinweg eines zu bleiben.

Was oft übersehen wird: Dieser Leistungsanspruch gilt nicht nur für die Athleten. „Jeder muss in diesen Tagen performen,“ sagt er. „Besonders der Staff. Du darfst nicht das Problem im Team sein. Du bist da, um zu helfen.

Ob dreiwöchige Grand Tour oder eine dichte Abfolge von Klassikern – das Performance-Modell ist kollektiv, und jedes Glied zählt.

Der Druck ist gestiegen – Performance muss früher beginnen


Foto: Lidl–Trek / @cyclingimages

Laut Dr. Hinder liegt eine der größten Veränderungen im Radsport nicht unbedingt in der Anzahl der Renntage, sondern in der Bedeutung jedes einzelnen Rennens.

Früher konnten Rennen zu Saisonbeginn als Training genutzt werden,“ sagt er. „Man konnte seine Form aufbauen. Das ist heute nicht mehr möglich.“ Das Leistungsniveau ist inzwischen so hoch, dass Athleten früh bereit sein müssen zu liefern und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Wenn du nicht in der Lage bist zu performen und nicht nahe an deinem besten Niveau bist,“ erklärt er, „dann wirst du aussortiert.

Dieser Wandel hat die langfristige Planung und Nachhaltigkeit im Athletenmanagement verändert. Die Herausforderung besteht nicht mehr nur darin, zu bestimmten Zielen zu peaken, sondern über die gesamte Saison hinweg relevant und konkurrenzfähig zu bleiben.

Talent hilft – aber Konstanz hält Performance aufrecht

Talent bleibt wichtig, doch Dr. Hinder ist klar darin, was Athleten auf diesem Niveau wirklich unterscheidet.

Ja, Talent hilft definitiv,“ sagt er. „Aber man muss extrem hart arbeiten, um als Profiradsportler auf diesem Niveau zu sein.

Der entscheidende Faktor ist kein einzelner Durchbruch, sondern die Fähigkeit, Form aufzubauen, gesund zu bleiben und über längere Zeit konstant zu performen.

Was heute schwierig ist,“ erklärt er, „ist, über die gesamte Saison konkurrenzfähig zu bleiben.
Genau hier wird Belastungssteuerung entscheidend, denn Performance auf WorldTour-Niveau verläuft nicht linear.

Es ist nicht möglich, das ganze Jahr über auf dem höchsten Niveau zu performen,“ sagt er. „Das kann niemand.

Eine lange Saison erfordert Höhen und Tiefen. Die Aufgabe des Performance-Systems ist es, sicherzustellen, dass diese Tiefen nicht zu Verletzungen, Erkrankungen oder langfristigem Leistungsabfall führen.

Die mentale Dimension: Fokus unterstützen, ohne Reibung zu erzeugen

Mentale Performance ist heute ein integraler Bestandteil des Leistungssystems im Elite-Radsport. Lidl–Trek arbeitet seit Jahren mit Psychologen und Mentaltrainern.

Das machen wir schon seit vielen Jahren,“ sagt Dr. Hinder. „Man muss mental vollständig fokussiert sein.

Gleichzeitig warnt er davor, dass zusätzliche Unterstützung nicht zur Belastung werden darf. „Man muss darauf achten, dass es nicht zu viel wird,“ erklärt er. „Viele kleine Unterstützungen können wiederum Stress erzeugen.

Das Ziel ist ein Umfeld, in dem sich Performance einfach anfühlt – auch wenn das dahinterliegende System hochkomplex ist.

Wie sieht gute Belastungssteuerung auf Topniveau aus?

Gefragt nach effektiver Belastungssteuerung kehrt Dr. Hinder zu den Grundlagen zurück. „Ich sage den Fahrern oft, sie sollen zu den Basics zurückgehen,“ erklärt er. „Denn das gibt Sicherheit.

Die Basis ist klar: „Das Fundament ist Training,“ sagt er. „Wenn du alles rund um Performance nutzt, aber nicht trainierst, bringt es nichts.

Belastungssteuerung bedeutet nicht, Arbeit zu vermeiden, sondern den Trainingsprozess über die gesamte Saison nachhaltig zu gestalten. Wenn sie scheitert, dann meist, weil kurzfristiger Druck langfristiges Denken verdrängt.

Wenn man nur auf das nächste Rennen schaut,“ warnt er, „zerstört man sein gesamtes System.

Ermüdung erkennen versus Risikozone: Erfahrung plus Daten

Zu erkennen, wann Ermüdung zur Gefahr wird, ist eine zentrale medizinische und leistungsrelevante Entscheidung – und basiert sowohl auf Erfahrung als auch auf Diagnostik.

Es ist nicht besonders schwer, so etwas zu erkennen,“ sagt Dr. Hinder. „Man hat Erfahrung. Man kennt die Fahrer seit Jahren.

Zusätzlich helfen physiologische Daten, das Gesamtbild zu bestätigen. „Man kann Variablen wie Blutwerte, Hormonspiegel und Ähnliches hinzuziehen,“ erklärt er. „Es sind Zahlen, aber sie helfen, einen Überblick zu bekommen.

Das Ziel ist nicht, Zahlen zu jagen, sondern frühzeitig Anpassungen vorzunehmen – bevor Leistungsabfall zu Verletzung oder Krankheit wird.

Foto: Lidl–Trek

Das System muss zusammenarbeiten: Training zuerst, alles andere unterstützt

Für Dr. Hinder ist Performance keine Summe isolierter Maßnahmen, sondern das Ergebnis von Integration. „Man muss sich um alles kümmern,“ sagt er. „Man darf nicht nur seinen eigenen Teil sehen – man muss das Ganze betrachten.

Die Hierarchie bleibt dennoch klar: „Alles basiert auf Training, um Anpassung zu erzeugen,“ erklärt er. „Das ist die Hauptsache. Alles andere kommt oben drauf.

In diesem Rahmen ist Regeneration kein Zusatz, sondern Voraussetzung für Anpassung und Kontinuität.

Wie Innovation bewertet wird: Testen, Evidenz, Sicherheit

WorldTour-Teams werden ständig mit neuen Tools, Technologien und Supplementen konfrontiert. Entscheidungen werden jedoch nicht aus Hype getroffen, sondern auf Basis strukturierter Bewertung.

Man muss es testen,“ sagt Dr. Hinder. „Man muss sehen, ob es funktioniert.

Auch bei vorhandener Studienlage müssen Effekte im realen Athletenumfeld bestätigt werden. „Selbst wenn es Evidenz gibt, heißt das nicht automatisch, dass es funktioniert,“ erklärt er. „Viele dieser Dinge sind individuell – man muss sie personalisieren.

Gleichzeitig erkennt er die Realität des Spitzensports an: Auf perfekte Evidenz zu warten, kann bedeuten, den Anschluss zu verlieren.

Wenn man wartet, bis jedes Produkt die höchste Evidenzstufe erreicht hat,“ sagt er, „wartet man möglicherweise zu lange.“ Entscheidend ist das Risiko. „Wenn es kein Gesundheitsrisiko darstellt,“ erklärt er, „muss man manchmal einfach anfangen und schauen, ob es funktioniert.

Warum Unbroken ausgewählt wurde: natürliche Herkunft, schnelle Verfügbarkeit, Regenerationsunterstützung

Unbroken wurde als Teil der umfassenden Regenerationsstrategie bei Lidl–Trek eingeführt. Für Dr. Hinder begann der Prozess mit Tests. „Ich habe es in der Universitätsklinik hier in Münster getestet,“ erklärt er, „mit einigen Fahrern und Amateuren. Und ich teste solche Produkte gern selbst, wenn kein Gesundheitsrisiko besteht.

Besonders überzeugten ihn die natürliche Herkunft und die schnelle Verfügbarkeit der Aminosäuren.
Was mir am besten gefällt, ist der natürliche Aspekt,“ sagt er. „Es stammt aus einem natürlichen Protein.

Er glaubt, dass die Natur bereits viele effektive Performance-Lösungen bereitstellt.
„Ich bin überzeugt, dass uns die Natur vieles gibt, das wir nutzen können, weil es bereits auf einem perfekten Niveau ist,“ erklärt er und betont seine Präferenz gegenüber künstlich im Labor hergestellten Lösungen.

Praktisch betrachtet sieht er Unbroken als ein Regenerations-Tool, das den muskulären Anforderungen des Radsports entspricht.

Wenn man die Muskeln im Radsport so stark belastet,“ erklärt er, „und man etwas zurückgeben kann für diese hohe Muskelbelastung, dann ist das sinnvoll.

Aminosäuren sind eines der wichtigen Elemente, die wir nutzen müssen,“ sagt er. „Es hat funktioniert. Es war eine einfache Lösung.

Foto: Lidl–Trek

Timing: nicht nur danach – vor, während oder nach Belastung

Viele Fahrer nutzen Unbroken direkt nach dem Rennen, doch Dr. Hinder betont, dass der Nutzen nicht an einen „perfekten Zeitpunkt“ gebunden ist. Entscheidend ist, dass die Muskulatur in Phasen hoher Belastung zuverlässig versorgt wird.

Manchmal davor,“ sagt er, „aber grundsätzlich – wenn die Muskeln so hart arbeiten, zerstört man Muskelzellen.” Für ihn gilt: „Es spielt keine Rolle, ob man es davor, zwischendurch oder danach einnimmt – man braucht diese Produkte, um das System wiederherzustellen, das vorher da war.” Und wenn dieses System gut unterstützt wird, „kann daraus eine bessere Anpassung und eine stärkere Muskelzelle entstehen als zuvor.

Timing ist flexibel. Entscheidend ist die verlässliche Zufuhr von Aminosäuren zur Unterstützung von Regeneration, Wiederaufbau und fortlaufender Anpassung über aufeinanderfolgende Trainings- und Renntage.

Regeneration ist kein „Game Changer“ – sie verhindert Probleme

Dr. Hinder steht großen Leistungsversprechen skeptisch gegenüber und bevorzugt eine nüchterne Einordnung.
Ich mag den Begriff ‚Game Changer‘ nicht,“ sagt er. „Wenn etwas so viel verändert, hat man vorher etwas falsch gemacht.

Stattdessen beschreibt er Regenerationsunterstützung als Mittel zur Reduktion von Problemen und zur Stabilisierung der normalen, belastbaren Funktionsfähigkeit des Körpers – insbesondere mit zunehmendem Alter der Athleten.

Wenn man das Gefühl hat, der Körper funktioniert besser… man schläft gut… man hat gute Beine,“ sagt er, „dann reduziert das Probleme, die man ohne diese Unterstützung vielleicht hätte.

Genau das sollte gute Regeneration leisten: Funktion und Konstanz erhalten – ohne unrealistische Versprechen.

Was kommt als Nächstes: Personalisierung

Mit Blick in die Zukunft sieht Dr. Hinder den nächsten Entwicklungsschritt in stärker individualisierten Ansätzen, insbesondere in Ernährung und Supplementierung.

„Der nächste Schritt ist die Individualisierung oder Personalisierung dieser Dinge,“ sagt er. „Ich glaube, das wird eines der großen Themen der kommenden Jahre sein.

Mit steigender Intensität und höheren Anforderungen könnte Personalisierung entscheidend werden, um Leistung zu sichern und die Gesundheit der Athleten zu schützen.

Eine abschließende Botschaft: Performance zählt – aber es gibt ein Leben nach dem Radsport

Auch wenn Radsport naturgemäß leistungsgetrieben ist, schließt Dr. Hinder mit einer langfristigen Perspektive. „Als Arzt geht es im Team natürlich um Performance,“ sagt er. „Aber das Wichtigste, worum ich mich kümmere, ist die Gesundheit der Fahrer.

Und er erinnert an die eigentliche Verantwortung im Spitzensport: „Es gibt ein Leben nach dem Radsport.“

 

Über Dr. Jens Hinder
Dr. Jens Hinder ist Teamarzt bei Lidl–Trek und seit der Teamgründung 2011 Teil der Mannschaft. Er leitet die medizinische Struktur des Teams und betreut die Fahrer während der gesamten Saison sowohl im Renngeschehen als auch mit Blick auf ihre langfristige Gesundheit.

 

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